Bei der korrekten Kalkulation eines 3D‑Druckteils spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle:
- Materialkosten
- Druckzeit und Stromverbrauch
- Vor- und Nachbereitung des Druckteils
- Unternehmerische Fix- und variable Kosten
- Anteil möglicher Fehldrucke
- Geplanter Gewinnaufschlag
Je nach Größe und Komplexität des Bauteils verändert sich der Kostenanteil dieser Faktoren deutlich.
In diesem Beitrag konzentriere ich mich bewusst auf den Einfluss der Materialkosten, und zwar anhand eines Vergleichs zwischen einem bekannten Hersteller von Klemmbausteinen und meinen eigenen MIDI‑ und XXL‑Klemmbaustein‑Konstruktionen.
Ich betrachte jeweils die Steingröße 2×3 in Standardhöhe. Später gehe ich noch auf individuelle Höhen meiner eigenen Systeme ein.
Kleine 3D‑Druckteile – Materialkosten spielen eine geringere Rolle
Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass bei kleinen 3D‑Druckteilen der Materialkostenanteil am Gesamtpreis vergleichsweise gering ist.
Beispiel 1: Klemmbaustein 2×3 eines bekannten Herstellers
Ein 2×3‑Klemmbaustein, der bereits für Kleinkinder geeignet ist, besitzt ungefähr folgende Maße:
- Länge: ca. 47,8 mm
- Breite: ca. 31,75 mm
- Höhe ohne Noppen: ca. 19,25 mm
- Höhe inkl. Noppen: ca. 23,85 mm
- Gewicht: ca. 13 g
Ein ähnliches Modell habe ich auf Printables gefunden, im Slicer konfiguriert und als G‑Code exportiert.
Diesen habe ich anschließend im Online‑Kalkulator „Druckertyp‑o‑Mat“ hochgeladen.
Alle Business‑Parameter wie Fehldruckquote, Verpackung, Versand oder Gewinnaufschlag habe ich bewusst auf 0 € gesetzt, um ausschließlich den Einfluss des Materialpreises sichtbar zu machen.
Materialpreis 15 €/kg – Ausgangsbasis

Materialpreis 20 €/kg – Preissteigerung

Der Preis pro Stein erhöht sich um 6 Cent.
Bei 20 gedruckten Steinen ergibt das eine Mehrbelastung von 1,20 €.
Materialpreis 25 €/kg – weitere Steigerung

Auch hier zeigt sich: Der Materialpreis wirkt sich spürbar, aber bei kleinen Bauteilen insgesamt moderat aus.
Beispiel 2: Mein eigener MIDI‑Klemmbaustein 2×3
In meinem Beitrag „XXL Klemmbausteine – Entstehung einer Idee“ (Mai 2025) habe ich bereits beschrieben, wie mein eigenes Klemmbaustein‑System entstanden ist – ursprünglich für individuelle Weihnachtsdekorationen.
Die MIDI‑Größe ist deutlich größer als die Variante des bekannten Herstellers.
Maße meines MIDI‑Steins 2×3
- Länge: 105 mm
- Breite: 35 mm
- Höhe ohne Noppen: 15 mm
- Höhe inkl. Noppen: 20,5 mm
- Gewicht bei 5% Infill Gyroid ca. 37 Gramm
Durch das größere Volumen steigt der Materialverbrauch – und damit auch der Preis.

Große 3D‑Druckteile – Materialkosten dominieren die Kalkulation
Je größer das Bauteil, desto stärker wirkt sich der Materialpreis auf den Endpreis aus.
Zusätzlich spielen Faktoren wie Wandstärke, Infill, Stützstrukturen und Bauteilorientierung eine wichtige Rolle.
Um es nicht unnötig zu verkomplizieren, konzentriere ich mich hier ausschließlich auf den Einfluss des Materialpreises.
Beispiel 1: XXL‑Klemmbaustein 2×3 (210x315x35mm) – Infill‑Vergleich
Im folgenden Beispiel vergleiche ich denselben Stein mit:
- 3 % Gyroid‑Infill
- 8 % Gyroid‑Infill

Allein durch die Erhöhung des Infills um 5 % ergibt sich bei einem Filamentpreis von 15 €/kg ein Preisunterschied von 1,77 €.
Beispiel 2: XXL‑Klemmbaustein 2×3 – Bauteilhöhe 175 mm
Im XXL-Klemmbaustein System gibt es diverse Steinvarianten, aufgrund der Möglichkeit diese im 3D-Druckverfahren herzustellen.
Darunter gibt es ebenfalls einen 2×3 Stein, jedoch mit einer Bauteilhöhe von 175mm. Seine genauen Maße betragen:
- Länge: 315 mm
- Breite: 210 mm
- Höhe ohne Noppen: 175 mm
- Höhe inkl. Noppen: 195 mm
Vergleich 3 % vs. 8 % Infill bei 15 €/kg

Hier entsteht bereits ein Preisunterschied von 12,83 €.
Vergleich bei 22 €/kg Filamentpreis

Der Preisunterschied steigt auf 17,01 €, obwohl der Infill nur um 5% erhöht wurde.
Preissteigerung bei 3% vs. 8% Infill
Vergleichen wir jetzt den Preis bei 3% Infill, bei einem Kilogramm Preis von 15€ vs. 22€, erleben wir hier eine Preissteigerung um ca. 29% und bei dem Vergleich mit dem 8% Infill um ca. 30%.
Dies sind massive Preisunterschiede, die bei einem späteren Endpreis wohlbedacht sein sollten.
Vergleich bei gemischten Infill
Um den Materialkosten Anteil zu senken, kann man auch bei den modernen Slicern Infill kombinieren.
In meinem folgenden Beispiel habe ich bei dem XXL-Klemmbaustein 210x315x175mm den unteren Bereich mit einem 3% Kubisch-Stütz Infill versehen und ab ca. 170mm Höhe wechsle ich in ein 8% Grid-Infill – siehe Bild.

Daraus ergibt sich folgender Preis:

Wie man ersehen kann, pendelt sich hier der Preis im Vergleich zu dem Preis mit 3% Infill Gyroid ein, obwohl die 8% Gitternetz für eine Stabilität im oberen Bereich des XXL-Klemmbaustein sorgen.
Fazit
Gerade bei größeren 3D‑Druckteilen haben die Materialkosten einen enormen Einfluss auf die Gesamtkalkulation.
Wer große Bauteile druckt – wie meine eigenen MIDI‑ und XXL‑Klemmbausteine – sollte daher besonders auf folgende Punkte achten:
- Materialpreis pro Kilogramm
- Infill‑Prozent und -Struktur
- Wandstärken
- Bauteilorientierung
- Minimierung von Stützmaterial
Nur wenn alle Faktoren sauber berücksichtigt werden, lässt sich ein realistischer und wirtschaftlicher Preis kalkulieren.
Wie siehst du das Thema? Schreib es gern in die Kommentare.
FAQ – Häufige Fragen zur 3D‑Druck Kostenkalkulation
Die Materialkosten ergeben sich aus dem Filamentverbrauch in Gramm und dem Kilopreis des Materials. Die einfache Formel lautet: (Verbrauch in g / 1000) × Filamentpreis pro kg. Gerade bei größeren Bauteilen macht dieser Faktor einen erheblichen Teil der Gesamtkosten aus.
Kleine Bauteile benötigen nur wenige Gramm Filament. Selbst wenn der Filamentpreis steigt, bleibt der absolute Kostenunterschied gering. Bei größeren oder massiven Teilen wirkt sich der Materialpreis dagegen deutlich stärker aus.
Das Infill bestimmt, wie viel Material im Inneren eines Bauteils verwendet wird. Eine Erhöhung von z. B. 3 % auf 8 % kann bei großen Teilen Preisunterschiede im zweistelligen Eurobereich verursachen – wie in deinen XXL‑Klemmbaustein‑Beispielen sichtbar.
Große Bauteile benötigen mehr Filament, längere Druckzeiten und oft zusätzliche Stützstrukturen. Dadurch steigen sowohl Material‑ als auch Energiekosten. Bei XXL‑Bauteilen ist der Materialpreis häufig der größte Kostenfaktor.
Meine MIDI‑ und XXL‑Klemmbausteine sind Eigenkonstruktionen mit deutlich größeren Abmessungen. Sie eignen sich für kreative Projekte, Dekorationen oder modulare Bauideen. Gleichzeitig zeigen sie sehr gut, wie stark Materialkosten bei großen 3D‑Druckteilen ins Gewicht fallen.
Kosten lassen sich senken durch:
- geringeres oder kombiniertes Infill
- optimierte Wandstärken
- bessere Bauteilorientierung
- minimiertes Stützmaterial
- Filamentpreise vergleichen
- materialeffiziente Konstruktion Moderne Slicer ermöglichen zudem unterschiedliche Infill‑Zonen, um Material gezielt einzusparen.





